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Urban Ideation Talk #1: Von Räumen Lernen

Think circular!

Neues Bauen und lernen von Räumen – das war der erste Urban Ideation Talk am 22. August im B-Part Am Gleisdreieck: Vordenkerinnen und Pioniere aus verschiedenen Disziplinen trafen sich, um über neue Konzepte für unseren Umgang mit Räumen und Gebäuden zu berichten.

Titelbild (v.l.n.r.): Dina Padalkina (circular.berlin), Johannes Stiglmair (trnsfrm.org), Kathleen Wächter (crclr.org), Felix Marlow (hausderstatistik.org), Lennart Siebert (belius.de), Victoria Loyall (renggli-international.com), Helge Kunz (renggli-international.com)
© Ian Delu

Wir sind es gewohnt, Gebäude statisch zu denken. Sie werden errichtet, um einer Nutzungsform zu dienen, bis sie ihre Pflicht getan haben. Daher der Name „Immobilie“. Zudem ist der Prozess linear: Ressourcen werden verbaut, genutzt und am Ende entsorgt. Von diesem Prinzip können wir uns langfristig verabschieden, um den Anforderungen von neuen urbanen Lebens- und Arbeitsformen gerecht zu werden.

Bei einem Bahnhofsgebäude mag eine monothematische Nutzung weiterhin ihre Berechtigung haben, viele andere Formen von Immobilien gehören dagegen auf den Prüfstand – zum Beispiel Shopping Malls, die üblicherweise wie ein Fremdkörper in städtische Areale gesetzt werden und nicht dafür bekannt sind, die Lebensqualität der Anwohner zu verbessern. Investoren fragen sich in der Regel nicht, welche Auswirkung ein solcher „Konsumtempel“ auf seine Umgebung hat.

Das fragen sich aber zunehmend die Menschen in immer stärker verdichteten und sich wandelnden Städten. Erste Lösungsansätze lieferten die Referentinnen und Referenten des ersten Urban Ideation Talk im B-Part Am Gleisdreieck. Die neue Event-Serie wird vom Urban Ideation Lab veranstaltet und hier ungefähr im monatlichen Turnus stattfinden.

Das Urban Ideation Lab ist als Labor für das Stadtquartier der Zukunft das Herzstück von B-Part. Bestehend aus regelmäßig wechselnden Fellow-Teams öffnet das Lab Raum für Entrepreneure, die mit ihren Ideen im inspirierenden Austausch mit anderen durchstarten wollen. Der erste Urban Ideation Talk wurde vom Lab Fellow Circular Berlin initiiert.

Um die Beiträge der sechs Vortragenden des ersten Talks auf einen einfachen Nenner zu bringen: Anstelle des statischen Konzepts geht die Reise hin zum zirkulären Prozess; also zum in Kreisläufen funktionierenden Bauen und Nutzen. Gebäude lassen sich von Anfang an so planen, dass auch spätere, während der Planung noch gar nicht absehbare Umnutzungen und Umwidmungen machbar sind. Das Ziel ist, Räume lebendig zu denken und Gebäude flexibler, mobiler und partizipativer zu gestalten.

Allein die dem Klimawandel geschuldeten Veränderungen verlangen einen völlig neuen Umgang mit Material und Energie. Während in der Bauwirtschaft heute große Mengen Müll anfallen, muss in Zukunft ressourcenschonender gedacht werden. Das B-Part selbst bietet dafür ein anschauliches Beispiel. Das temporäre Gebäude kann dank seiner modularen Holzbauweise nach seiner Zeit im Park am Gleisdreieck ab- und an anderer Stelle für eine neue Nutzungsart wieder aufgebaut werden. Auch die immensen CO2-Emissionen der Stahl- und Zementindustrie lassen sich in Zukunft durch die verstärkte Nutzung von Holz als Baustoff deutlich reduzieren.

Zudem umfasst der zirkuläre Ansatz auch einen gesellschaftlich ausgewogenen Umgang mit Raum; insbesondere vor dem Hintergrund des derzeit in unseren Städten für soziale Spannungen sorgenden Immobilienmarkts. Stattdessen brauchen wir durchmischte Wohn- und Lebensformen über alle Generationen und Milieus hinweg.

Als zwei Beispiele neben vielen Pilotprojekten für einen neuen Umgang mit Räumen seien das CRCLR Haus in Neukölln – „Berlins Ground Zero für alles, was mit zirkulärer Wirtschaft zu tun hat.“ (Exberliner, 2016) – oder das Modellprojekt Haus der Statistik am Alexanderplatz genannt.

Zirkuläres Bauen und lebendige Räume erfordern also völlig neue Prozesse über alle Aspekte von Materialkreisläufen und Energieeffizienz über soziale Ausgewogenheit bis zur Offenheit in der sich wandelnden und klimaresilienten Stadt. Dafür brauchen wir ein Umdenken und können ganz neue Räume auch in unseren Köpfen öffnen.

Auf dem Weg dahin liegen viele Herausforderungen für alle Beteiligten: Nicht nur die Bauwirtschaft, auch die Kommunen und Verwaltungen oder die Investoren müssen ganz neue Ansätze und Methoden erlernen. Wie der erste Urban Ideation Talk zeigt, hat die Reise gerade erst begonnen, aber sie verspricht den Aufbruch in lebenswertere Städte.