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Urban Ideation Lab entwirft zirkuläre Stadtquartiere

9 Dezember | 15:53

COPRO Geschäftsführer Marc F. Kimmich und Green City Solutions
CIO Zhengliang Wu eröffnen die City Trees am B-Part Am Gleisdreieck

Zur Säuberung der Luft wurden auf dem Gelände des B-Part Am Gleisdreieck zwischen dem 27. April und 30. Juni 2020 drei CityTrees von Green City Solutions, Start-up und GreenTech-Pionier aus Berlin, platziert. Während dieser Zeit wurde die Luftqualität der Umgebung analysiert und gereinigt – mit spannenden Ergebnissen.

Bei den CityTrees handelt es sich um aktive Biofilter-Systeme, die Feinstaub aus der Luft entfernen, Temperaturen kühlen und die Luftfeuchtigkeit erhöhen können. Wir haben bereits im Mai 2020 zur Aufstellung der CityTrees in unserem Blog berichtet. Drei CityTrees wurden im südwestlichen Teil des B-Part Außenbereichs so aufgestellt, dass sie eine Barriere zu der angrenzenden Bahntrasse bilden und dieser Feinstaubquelle eine Frischluftzone entgegensetzen. Ein CityTree besteht aus zwei Teilen, dem Unterteil mit integrierter Technik und dem Oberteil bedeckt mit Moosen als Filtereinheit mit einer Gesamthöhe von 3,60 Metern. In einer Stunde werden je CityTree ca. 3.500 m³ Luft angesaugt und gereinigt. Die Verdunstungskühlung der Moose erzeugt dabei eine maximale Kühlleistung von 5.500 Watt.

Performance 

Während der 51 Betriebstage der drei CityTrees am B-Part wurden etwa 2.711.657 m³ Luft gereinigt. Dies entspricht mehr als dem Volumen der Cheops-Pyramide in Gizeh (2,6 Mio. m³) und reicht aus, um 2.215 erwachsene Menschen innerhalb des gesamten Zeitraumes mit gereinigter Luft zu versorgen. Der Wind kam während der Projektzeit vorwiegend aus südwestlicher Richtung, sodass die strömende Luft auf dem Weg in Richtung Terrasse und Gebäudefront des B-Part die CityTrees passierte und gereinigt wurde. Die Aufenthaltsqualität für die Menschen, die auf der Terrasse saßen bzw. ein Fenster geöffnet hatten, konnte dadurch verbessert werden.Verschiedene Ventilationsgeschwindigkeiten erzeugen eine unterschiedliche Luftstromgeschwindigkeit: Schnelle Geschwindigkeiten können grobe Partikel besser filtern, während langsame Geschwindigkeiten besser ultrafeine Partikel abscheiden können, die besonders gesundheitsgefährdend sind. So lassen sich durch die CityTrees auch besonders gut Belastungsspitzen abfedern, wie z. B. von einem brennenden Grill oder Zigarettenrauch. Diese “Feinstaubwolken” lassen sich durch den Einsatz von CityTrees besonders gut reinigen, da viele Partikel in einer relativ geringen Luftmenge auf den Moosfilter treffen – die Luftbelastung kann etwa halbiert werden. So können Menschen in der näheren Umgebung beispielsweise vor intensivem Passivrauchen geschützt werden.

Luftqualität am Standort Gleisdreieck

In Bahnhöfen wird durch aufgewirbelten Staub und Abrieb beim Bremsen oft eine hohe Feinstaub-Konzentration verursacht. Trotz unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Gleisdreieck, konnten die Messungen keine dauerhaft übermäßige Belastung feststellen. Die Feinstaubbelastung am B-Part betrug durchschnittlich (Tag und Nacht) 12 Mikrogramm. Dieser Wert ist grundsätzlich gut und unterhalb der gesetzlich festgeschriebenen Grenzwerte und entspricht dem „Grundrauschen“ an Luftbelastung in deutschen Großstädten.

CleanAirZone

Neben der übergreifenden Wirkung auf die Luftqualität am B-Part Am Gleisdreieck profitierten Besucher, die sich in unmittelbarer Nähe der CityTrees aufhielten, am meisten von deren Effekt. Durch die Positionierung in einem Dreieck konnten die CityTrees eine sogenannte „CleanAirZone“ (Frischluftzone) erzeugen, in welcher je nach Entfernung eine geringere Partikelbelastung von bis zu 53% gemessen werden konnte. Selbst in 5 Metern Entfernung stellt sich im Schnitt noch eine bis um 30% geringere Partikelbelastung ein.

Die Moose in den CityTrees können das bis zu 20-fache ihres Eigengewichts an Wasser speichern und verdunsten. In Kombination mit der aktiven Durchlüftung entsteht eine Kühlleistung von bis zu 5.500 Watt. Bei wissenschaftlichen Messungen konnte beispielsweise ein Temperaturunterschied von 25°C auf 16,8°C ermittelt werden. Zudem ist in der Frischluftzone eine Erhöhung der Luftfeuchte messbar. Gerade zu heißen und trockenen Zeiten bietet der Aufenthalt in der Nähe der CityTrees den Besuchern einen angenehmen Effekt.

Darstellung der CleanAirZone bei einem windstillen Szenario
(Werte basierend auf Referenzmessung durch TROPOS 12/2019)

Das gemeinsame Projekt war ein Erfolg: Die gewonnenen Erkenntnisse und Messergebnisse zur Standort- und Luftqualität bestätigen, dass die CityTrees einen positiven Beitrag zur Aufenthaltsqualität der Besucher leisten können. Neben dem Effekt auf die Luftqualität konnten die CityTrees auch einen Beitrag im Kontext der öffentlichen Debatte zu Gesundheit und Lebensqualität in der Stadt sowie der Wichtigkeit von Luftgüte und nachhaltiger Quartierentwicklung leisten. Bei der Planung des Stadtquartiers „Urbanen Mitte Am Gleisdreieck“ spielen diese Themen eine zentrale Rolle und wir freuen uns darauf, zusammen mit Green City Solutions künftig für noch mehr frische Luft zu sorgen.

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Datum:
09.12.2022
Zeit:
15:53

Das B-Part eröffnete im März 2020 als Pionierprojekt auf dem Gelände der künftigen Urbanen Mitte Am Gleisdreieck dient als Blaupause für das dort entstehende Stadtquartier. Das innovative Gesamtkonzept des Pionierprojektes überzeugte die Experten-Jury: Sie zeichnete das B-Part Am Gleisdreieck in der Kategorie „Architecture: Special“ mit dem unabhängigen Gütesiegel internationalen Rangs „ICONIC AWARD 2020: Innovative Architecture – Selection“ aus. 

Als Experimentierlabor schafft das B-Part („be part“) durch die Verknüpfung von Coworking-Space, Kunstatelier mit kostenfreien Ausstellungen im urbanen Kontext, Multifunktions-räumen, Events, Café mit Biergarten und frei-zugänglichem Outdoor-Sportpark einen interdisziplinären, offenen Begegnungsort für Interessierte und Parkbesucher. Entworfen wurde das zweigeschossige Holzgebäude von Scharabi Architekten; das Interior-Design und Teile des Innenausbaus wurden von Supersupply Berlin kreiert. Der zweifach geknickte Baukörper entstand in Element-Holzbauweise und fügt sich dank der hölzernen Fassade harmonisch in die Umgebung und den grünen Park ein.

Marc F. Kimmich, Gründer der COPRO und Initiator des B-Part Am Gleisdreieck, erklärt: „Das B-Part war und ist ein echtes Herzensprojekt für mich und in seiner Rolle als Pionier der Urbanen Mitte Am Gleisdreieck, sollte es ein Begegnungsort für alle werden. Wir haben diese Herausforderung angenommen und nun sind die Türen des B-Part seit gut 1 ½ Jahren geöffnet. Das Projekt ist eine außergewöhnliche Teamleistung und schafft schon heute einen innovativen und urbanen Stadtraum – der nun sogar ausgezeichnet wurde.“

Ein temporärer Holzbau für das Stadtquartier von Morgen

Das B-Part Am Gleisdreieck ist nach dem BRLO Brwhouse die zweite Pioniernutzung auf dem Gelände der Urbanen Mitte Am Gleisdreieck, um die brache Fläche zu beleben und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.Gemeinsam mit der Schweizer Firma Renggli, hat die COPRO das B-Part in Element-Holzbauweise errichtet. „Wir haben erste Erfahrungen im Holzbau gesammelt und es war definitiv ein kleines Abenteuer. Der Prototyp ist erstellt und aus unserer Sicht hat es sich mehr als gelohnt. Ich bin sehr stolz auf die Auszeichnung und bedanke mich bei allen Beteiligten für diesen großartigen Erfolg!“, so Marc F. Kimmich.

Kern aller Planungen war die spätere Weiter- und Umnutzung bzw. Relokalisierbarkeit des temporären Holzbaus (Prinzip der Circular Economy). Die klimafreundliche Holzkonstruktion besteht aus Holzrahmen, Brettsperrholz und einer unbehandelten Fassade in Holztafel-Bauweise. Gegenüber der Errichtung aus Stahl und Beton, konnten ca. 350t CO2 eingespart werden. Das verbaute Holz kann die gleiche Menge an CO2 im Inneren speichern.

Ein Preis für das Zusammenspiel von Konzept und Architektur

Der ICONIC AWARD wird vom Rat für Formgebung vergeben, eines der weltweit wichtigsten Kompetenzzentren für Design und Architektur. Mit dem ICONIC AWARD: Innovative Architecture wurde erstmals ein neutraler, internationaler Architektur- und Designwettbewerb etabliert, der die Disziplinen in ihrem Zusammenspiel berücksichtigt. Die sieben-köpfige Jury aus den Bereichen Architektur, Innenarchitektur, Design und Markenkommunikation prämiert visionäre Gebäude, innovative Produkte und nachhaltige Kommunikation aus allen Sparten der Architektur, Bau- und Immobilienbranche sowie der produzierenden Industrie. Der Fokus liegt auf der ganzheitlichen Inszenierung und dem Zusammenspiel der Gewerke. Die Ehrung der Preisträger findet nach aktuellen Plänen am 5. Oktober 2020 in der Pinakothek der Moderne in München statt.

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Datum:
09.12.2022
Zeit:
15:53

Eine Podiumsdiskussion zum Thema „Mobilitäts- und Infrastrukturentwicklung in Berlin – Vision und Zukunftsperspektiven“ (Moderator Gernot Lobenberg, Oliver Friederici, Dr. Rolf Erfurt, Regine Günther, Kristina Jahn, Geschäftsführerin Berliner Wirtschaftsgespräche e.v., Volker Krane. Foto: Business Network)

Am Abend des 10. September fand im B-Part Am Gleisdreieck im Rahmen der Berliner Wirtschaftsgespräche eine spannende Diskussionsrunde zur Bedeutung der Infrastrukturentwicklung für den Wirtschaftsstandort Berlin statt. Als Gastgeber der Veranstaltung eröffnete Marc F. Kimmich, Gründer von COPRO, den Abend und freute sich nach langer Corona-bedingter Veranstaltungspause die Gäste persönlich begrüßen zu dürfen. „Mit dem B-Part haben wir das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs nach mehr als 100 Jahren wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht“, so Kimmich. „Wir werden hier mit dem Stadtquartier von Morgen, der Urbanen Mitte Am Gleisdreieck, ein Areal schaffen, das für Mobilität und Arbeiten der Zukunft steht.“

Als Podiumsteilnehmer diskutierten Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Regine Günther, Oliver Friederici von der Berliner CDU, Dr. Rolf Erfurt, Vorstand der BVG, Uwe Northmann von CISCO Systems und Volker Krane, Vorstand ADAC Berlin-Brandenburg. Senatorin Günther legte erst kürzlich ein Klima- und Mobilitätskonzept vor – die Entscheidung darüber wurde jedoch kurzfristig vertagt. Das Ziel des Konzepts formulierte die Senatorin prägnant: „Wir wollen eine lebens- und liebenswerte Stadt schaffen, die auch den Anforderungen des Klimaschutzes gerecht wird.“ 

Verkehrsexperte Oliver Friederici sah die Notwendigkeit einer Verkehrswende für die wachsende Stadt Berlin und drängte auf den Ausbau des ÖPNV, forderte mehr Mut für die Umsetzung bereits bestehender Ideen und Konzepte und plädierte für die S-Bahnlinie 21, die unter anderem über den Kreuzbahnhof Gleisdreieck führt: „Die S21 ist sehr wichtig und schafft eine neue Nord-Süd-Achse, die für den Berliner Verkehr große Bedeutung haben wird.“

Einigkeit herrschte bei allen Teilnehmern, dass der Ausbau und die Koordinierung aller Verkehrsträger notwendig seien, anstatt sich gegeneinander auszuspielen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem ÖPNV zu: „Wir transportieren circa 3 Millionen Fahrgäste – pro Tag“, so BVG-Vorstand Betrieb Dr. Rolf Erfurt. „Nun sind wir dabei, unsere Busflotte auf E-Mobility umzustellen und haben in diesem Zusammenhang in kurzer Zeit große Erfolge erzielt.“ ADAC-Vorstand Volker Krane konstatierte, der Autoverkehr müsse in der Stadt reduziert werden. Er kritisierte, dass es „zu wenig attraktive Angebote für Pendler gibt“ und dass „sämtliche Transportmittel besser koordiniert werden müssten.“

„30 Prozent des Verkehrs ist Parkplatzsuchverkehr“, so Uwe Northmann von Cisco System, ein weltweit agierender Anbieter von Networking-Lösungen. „Wir brauchen ein multimodales Verkehrssystem, welches ein breites Spektrum an Informationen anbietet und so das Zusammenspiel unterschiedlicher Verkehrsmittel erst ermöglicht.“

Konsens herrschte über die Notwendigkeit neuer Konzepte für Verkehr und Mobilität. Dennoch gab es auch Unstimmigkeiten. Der ADAC-Vorstand Volker Krane kritisierte den von Senatorin Günther angestoßenen Prüfauftrag zur City-Maut als Konzept von vorgestern: „Fünf Euro von Menschen zu verlangen, die in die Stadt fahren – die City Maut ist altbacken und von vorgestern. Digitale Konzepte und Lösungen sind die Chancen für die Zukunft.“

(Moderator Gernot Lobenberg, Marc F. Kimmich, Oliver Friederici, Dr. Rolf Erfurt, Regine Günther, Kristina Jahn, Geschäftsführerin Berliner Wirtschaftsgespräche e.v., Volker Krane. Foto: Business Network)

Neue Ideen in die Tat umsetzen

So schloss die Runde mit dem formulierten Ziel, ein bezahlbares und flexibles Verkehrsangebot für die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer zu schaffen und die gegenseitigen Behinderungen von motorisiertem Individualverkehr, ÖPNV und Fahrradverkehr zu minimieren. Die fortschreitende Digitalisierung bietet dabei großes Potential, neue Wege aufzeigen. Doch ist für all das auch Mut erforderlich, um neue Ideen in die Tat umzusetzen – das Jahrzehnt ist noch jung, der Weg jedoch noch lang. 

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Datum:
09.12.2022
Zeit:
15:53

C/O Berlin zeigt in seinen Räumen im Amerika Haus vom 12.09.2020 – 23.01.2021 die Ausstellung Felicity Hammond: Remains in Development. Für ihre erste Ausstellung in Deutschland bringt Felicity Hammond drei jüngere Werkgruppen in einer neu entwickelten, ortsspezifischen Installation zusammen. Remains in Development vereint großformatige Collagen, skulpturale Elemente und eine Installation, die das Chroma Keying thematisiert – ein Verfahren aus der Film und Fototechnik, das auf grünen und blauen Hintergründen beruht und angewendet wird, um Objekte von ihrer Umgebung freizustellen und sie vor beliebiger Kulisse neu zu inszenieren.

Zusätzlich und parallel zur Präsentation bei C/O wurde ein Außenraumprojekt bestehend aus fünf temporären Litfaßsäulen realisiert, welches die Ausstellung in den Stadtraum erweitert. Die Motive wurden eigens für die Präsentation entworfen und basieren auf Collagen der Künstlerin, die in der Ausstellung bei C/O gezeigt werden. Im Außenraum des B-Part Am Gleisdreieck sind drei der fünf Säulen ausgestellt und können im einzigartigen Zusammenspiel mit dem urbanen Gelände kostenfrei besichtigt werden. Die weiteren Standorte der Litfaßsäulen sind der Mittelstreifen auf der Hardenbergstraße in Höhe von C/O und das Kühlhaus Berlin.

Felicity Hammond (*1988 in Birmingham, UK) setzt sich in ihrer Arbeit mit den sozialen, politischen und ökonomischen Widersprüchen der postmodernen Stadt auseinander, deren Gebäude und Fassaden unsere kollektive Identität prägen und Zukunft suggerieren, indem sie Geschichte auslöschen. In großformatigen Collagen kombiniert die Künstlerin gefundene Fragmente aus Hochglanzbroschüren und Billboards von Immobilienunternehmen mit selbst aufgenommenen Bildern. Das selbstbewusste Versprechen der Werbung trifft auf postindustrielle Szenerien aus Autoreifen, Bauschutt, Gipssäcken, Paletten und liegengelassenem Material von Großbaustellen. Die Collagen, die an apokalyptisch aufgeladene Historienbilder erinnern, verweisen selten auf konkrete Orte und dechiffrierbare Bezüge.

Wir freuen uns sehr über diese spannende Kooperation! Die Ausstellung sowie die Säulen auf dem B-Part Gelände können noch bis Januar 2021 besichtigt werden.

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Datum:
09.12.2022
Zeit:
15:53

Nach fünf spannenden Wochen endete am 01. Juli. 2021 das eventreiche WIA Festival Berlin 2021 mit der Finissage im B-Part Am Gleisdreieck. Die Akteurinnen zogen ein Resümee und feierten die Sichtbarkeit von Frauen in der Baukultur, Ihre präsentierten Werke und die gewonnene Teilhabe von Frauen am öffentlichen Diskurs.

Zusammen mit der Architektenkammer Berlin veranstaltete das Netzwerk n-ails e.V. zum ersten Mal in Berlin das WIA Festival zum Thema „Frauen in der Architektur“. Berlin als eine der weltweit spannendsten Städte für Planen, Bauen und Verhandeln war der ideale Ort um den Raum für die Auseinandersetzung mit Werken von Frauen zu schaffen und den längst überfälligen Umbau des Berufsbildes zu diskutieren. Zusammen mit rund 30 Akteurinnen wurde den gesamten Juni über auf fast 100 Veranstaltungen Inhalte zu Themen wie „Baustelle Gleichstellung“, „Paritätische Baukultur“ und „Umbau Berufsbild“ besprochen. An vielen verschiedenen Orten fanden Ausstellungen, Filmreihen, Führungen, Symposien, Vorträge, Workshops und viele weiter Formate statt.

In zahlreichen Vorträgen und Diskussionen gab es viele neue Erkenntnisse, Gesprächsstoff und nachdenkliche Momente. Es entstand eine Atmosphäre des Austauschs über Werke, Fachthemen, aber auch Zahlen, Daten, Fakten zu Frauen in der Architektur, die zum Nachdenken anregten, den Blickwinkel veränderten und einige AHA Erlebnisse schafften.

Neben einer individuellen eigenen Genderagenda, wurde identifiziert, dass für einen schnellen und effizienten Fortschritt noch Förderung, Unterstützung, Mentoring und auch Genderbudgeting erforderlich ist, um soziale, juristische und ökonomische Hindernisse abzubauen und wirkliche Gerechtigkeit herzustellen. In diesem Sinne wurde mit den 34 Akteurinnen ein manifestA erarbeitet. Damit sollen Impulse für weiterführende Auseinandersetzungen mit dem Thema Frauen in der Architektur gesetzt werden, beispielsweise für Studien, Publikationen oder Artikel.

Andrea Männel, WIA-Initiatorin und Vorstandsmitglied Architektenkammer Berlin: „Die manifestA zeigt als Konsens aller Teilnehmerinnen, dass die drei vordefinierten Baustellen zur Gleichstellung – Sichtbarkeit, Dialog, Diversität – auch nach einer intensiven, vierwöchigen Auseinandersetzung nicht abgeschlossen sind.“ Hille Bekic, Vizepräsidentin Architektenkammer Berlin, ergänzt: „Daher wurden zu den drei Handlungsfeldern Statements und Learnings möglichst vieler Akteurinnen gesammelt. Zudem haben wir Umfragen online und teilweise Präsenz-Workshops durchgeführt.“ Je Handlungsfeld wurde ein Fragenkatalog entwickelt. Die gesammelten Antworten wurden während des Festivals aufbereitet und im Vorfeld zur Finissage gemeinsam mit den Akteurinnen in einem letzten Workshop kondensiert und verabschiedet.

WIA manifestA-Forderungen:

WIA BERLIN fordert die Einrichtung von festen Stellen für Gleichstellung in allen Länderkammern
und eine Berichterstattung im zweijährigen Baukulturbericht der Bundesstiftung Baukultur.

WIA BERLIN fordert eine selbstverständlich paritätische Besetzung auf allen Ebenen. Das
erfordert Gleichwertigkeit von CARE und Erwerbsarbeit!

WIA BERLIN fordert, dass Institutionen der Baukultur als Vorbilder agieren, Chancengleichheit
und Gleichstellung zügig umsetzen und dabei die Sensibilisierung für das Thema auch außerhalb
der Bauwelt erhöhen.

WIA BERLIN fordert die Abkehr vom „Starkult“ hin zu einer sozialen, partnerschaftlichen, kollaborativen, offenen und diversen Baukultur, die sich an alle richtet.

WIA BERLIN fordert den Fokus auf New Role Models und einen generationen- und länderübergreifenden Dialog.

WIA BERLIN fordert die Architektenkammern auf, endlich einen Namen zu wählen, der alle
Disziplinen und Geschlechter abbildet.

Quelle: Newsletter #7 n-ails e.V. / WIA Berlin 2021, Pressemitteilung (05.07.2021) WIA Festival 2021

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Datum:
09.12.2022
Zeit:
15:53

Nach einer langen Corona-Pause konnte unser Urban Ideation Lab seine Arbeit im September endlich wieder voller Elan aufnehmen! Wir freuen uns sehr, die UIL Fellows 2021 vorzustellen. Einige Teams konnten wir nach der Pause erneut als Fellows mit an Bord holen, aber es gibt 2021 auch frische Neuzugänge, die unser Lab bereichern:

Das Team Stadtbewegung bestehend aus den Übungsleiterinnen und Leitern Verena Kupilas, Robin Spätling, Urte Zahn, Jannike Kirsch und  Lukas Schulze und setzt sich für bessere Rahmenbedingungen und eine angemessene Infrastruktur im öffentlichen Raum zum Thema Sport und Gesundheit ein. Zusammen mit dem Verein Stadtbewegung e.V. und anderen Vereinen aus dem Netzwerk Urbaner Sport Berlin setzen sie sich für mehr Informationen, Sauberkeit, Toiletten, Trinkbrunnen, Licht, Sitz- und Bewegungsgelegenheiten ein und konzipieren zukünftige Bewegungsanregungen im öffentlichen Raum.

Georg Hubmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet für Städtebau und nachhaltige Stadtentwicklung der TU Berlin. Sein Hauptinteresse gilt dem ressourcenschonenden und partizipativen Umgang mit der gebauten Umwelt. In seiner Doktorarbeit erforscht er die räumlichen und sozio-politischen Auswirkungen der Kreislaufwirtschaft in Städten. Außerdem interessiert er sich für den Baustoff Holz und zirkuläres Bauen.

Unter dem neuen Namen Symbiotic Lab starten Jakob Kukula, Felix Beer und Leoni Fischer diesen Herbst in die zweite Runde des B-Part Fellowships. Aufbauend auf der Ausstellung SynchroniCities, die von März bis Juli diesen Jahres in Kooperation mit loop – Raum für aktuelle Kunst im B-Part Exhibition zu sehen war, widmen sie sich weiterhin relevanten Themen Rund um das Verhältnis von Mensch und Natur. Während bei SynchroniCities nicht-menschliche Perspektiven auf die Stadt im Fokus standen, widmet sich das Symbiotic Lab in ihrer aktuellen Recherche der Rolle von Natur im Spannungsfeld von urbaner Sphäre und ländlichem Raum in und um Berlin. Die Verbindung von Wissenschaft, Design und Kunst sind grundlegend für die Arbeit des interdisziplinären Teams.

Wieder mit dabei sind auch unsere Fellows von nextT, die mit Daten Geschichten erzählen, diese visualisieren und verständlich machen. Sven Ehmann und Nicholas Bourquin geht es darum Erlebnisse zu gestalten und das immer basierend auf der Idee, dass alle Menschen Daten (vor allem ihre eigenen) besser verstehen und dann auch (selbst-)bewusster damit umgehen können sollten. Neben dem Thema data privacy sind auch Sport-, Bewegungs- und Gesundheitsdaten ein Feld in dem sie aktiv sind und womit sie sich aktuell ausführlich beschäftigen.

Christoph Kollert erforscht, wie mit digitalen Planungsinstrumenten die Umsetzung der Mobilitätswende unterstützt werden kann: Hauptberuflich betreut er im Rahmen des Reallabors für interkommunale Radverkehrsförderung die Erstellung eines nutzerdatenbasierten und interkommunalen Radverkehrskonzepts sowie die (Weiter-)Entwicklung innovativer Planungs- und Umsetzungsmethoden. Durch sein Interesse an der Schnittstelle von Urban Design und Behaviour Change Theory möchte er sich im Fellowship für Maßnahmen der Radverkehrsförderung einsetzen, die über die bloße Bereitstellung von Infrastruktur hinaus noch notwendig sind, um Nicht-Radfahrende fürs Radfahren zu überzeugen. Darüber hinaus setzt er sich für die Vernetzung von wissenschaftlichen, bürgerschaftlichen und privatwirtschaftlichen Akteuren in der Radverkehrsförderung ein.

Weiterhin mit dabei sind auch unsere Fellows von Circular Berlin, für die der Übergang zu einer Circular Economy der Schlüssel ist, um Städten zu helfen, ihre Klimaziele zu erreichen und eine nachhaltige Zukunft sicherzustellen. Die Circular Economy bietet für  sie eine neue Alternative, um widerstandsfähigere, integrative und lokale Kommunen aufzubauen. Sie tragen zur Gestaltung der lokalen Circular Economy Agenda bei, indem sie sich durch Forschung, Aufbau von Netzwerken und Realisierung von umsetzungsorientierten Projekten beteiligen. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Stadt Berlin und umfasst Gemeinschaftsbildung, Bildung, Beratung von Stadtbehörden sowie die Entwicklung von Wissen in Industrien mit hohem Potenzial für Zirkularität: das Bauwesen, die Lebensmittel- & Biomasseindustrie, die Textilien- & Modeindustrie sowie die Material- & Produktindustrie. Aus der gemeinnützigen Organisation arbeiten bei uns Dina Padalkina, Arianna Nicoletti, Cherelle Escaffre, Jessamy Hardie und Sofia Elisabeth Ratzinger und bringen sich mit ihrer jeweiligen Expertise mit ein.

Das Urban Participation Lab (UPLab) hat sich mit Caterina von Welck neu am Lab formiert. Das UPLab bietet innovative digitale Formate der Bürgerbeteiligung und hat sich auf die Fahne geschrieben Partizipation in der Stadtentwicklung zu verbessern und generationsübergreifend mehr Bürgerinnen und Bürger in Planungsprozesse einzubinden.

Unter dem Leitmotiv „Flows – Öffentlicher Raum in Bewegung“ und unter der Leitung von Amira Sahr werden wir uns zusammen der Fragestellung widmen, wie die Urbanität der Zukunft gestaltet werden kann, um bestmöglich auf die vielfältigen neuen Anforderungen wie Klimawandel und zunehmender städtischer Dichte zu reagieren. Wir möchten dabei eine Brücke von der Planung zur Praxis schlagen. Denn im B-Part Am Gleisdreieck werden Ideen für das Stadtquartier von Morgen entwickelt, das hier mit der Urbanen Mitte Am Gleisdreieck entstehen wird.

Der öffentliche Raum ist aufgrund von technologischen und sozialen Entwicklungen, von neuen Arbeits- und Lebensformen und durch die Herausforderungen des Klimawandels gerade in der Großstadt starken Veränderungen unterworfen. Dabei stellen sich viele Fragen, die wir ergründen möchten. Wo liegen Chancen und Herausforderungen für den öffentlichen Raum? Wie kann öffentlicher Raum für alle attraktiv, integrativ und emanzipierend werden? Was kann die Urbane Mitte Am Gleisdreieck daraus lernen, um zum Kiez für Alle zu werden? Und nicht zuletzt stellt sich die Frage derzeit von selbst, was die Corona-Krise für den öffentlichen Raum und die Zeit „danach“ bedeutet.

In der Auseinandersetzung mit unseren Fellows und externen Partnern möchten wir Antworten auf diese Fragen finden. Uns interessieren insbesondere die Gestaltungs- und Nutzungsmöglichkeiten der Urbanen Mitte als Quartier von Morgen, das ein möglichst vielfältiges und resilientes Leben und Arbeiten im Sinne der urbanen Transformation ermöglichen soll. Konkret beschäftigen wir uns in den kommenden sechs Monaten mit den neu entstehenden öffentlichen Räumen auf dem südlichen Baufeld der Urbanen Mitte. In einem Design Sprint im November werden hier konkrete Ideen entwickelt und eine Abschluss-Ausstellung erarbeitet. Außerdem beschäftigen wir uns in einem UIL Talk mit der Frage des nachhaltigen urbanen „Placemakings“. Wir freuen uns sehr auf die kommenden Monate mit unseren sieben Fellow-Teams!

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Datum:
09.12.2022
Zeit:
15:53

Was braucht eine lebendige Innenstadt? 

Diese Frage beschäftigt nicht nur die Anwohnenden in einer Stadt, sondern auch Stadtplanerinnen und -planer sowie Projektentwicklerinnen und -entwickler. Die Antwort darauf sah seinem Zeitgeist entsprechend immer anders aus. Innenstädte waren und sind Epizentren der Macht, der Teilhabe und Identifikation. Orte des Handels, der „Waren der Welt“, wo das ökonomische Herz der Stadt schlägt. Orte der Kultur und Freizeit. Irgendwann wurden sie zu Schauplätzen der industriellen Revolution oder Produktionsstätten und oft verstanden sie sich vor allem einfach als praktische Wohnorte. 

Die Geschichte hat jedoch gezeigt, dass jedes Mal, wenn ein einzelner Fokus zu sehr in den Mittelpunkt gerückt ist, die Stadt nicht mehr funktioniert hat. Ein typisches Beispiel dafür ist die autogerechte Stadt, in der alles auf den Verkehr ausgelegt ist und die Innenstadt als Gateway und Transitraum begriffen wird oder die Innenstadt als reine Shoppingmeile mit dem Handel im Mittelpunkt.

Welches Bild zeigt sich heute? Straßen werden zurückgebaut, – in eigentlich jedem Bürgerbeteiligungsprozess wird die Forderung nach mehr Radwegen und weniger Autoverkehr immer lauter, von der Klimakrise ganz abgesehen -, und vom Einzelhandel dominierte Innenstädte sterben zunehmend aus, hinterlassen ein ödes Bild von Leerstand und Tristesse in ihren Ladenzonen. Die Digitalisierung hat sie überholt. Unsere Innenstädte und Zentren befinden sich in einem dauerhaften Prozess des Wandels. 

Unsere Zeit sucht nach Lösungen, die ein Gleichgewicht zwischen all diesen Ansprüchen herzustellen vermögen. Immer neue Herausforderungen suchen nach flexiblen Möglichkeiten, die alle Bedürfnisse in Einklang miteinander bringen können. Konzepte für hybrides Wohnen und Arbeiten, Gemeinschaftlichkeit und sogenannte „third places“ stehen an der Tagesordnung und können eine Antwort sein. Die Mobilitätswende wird als Impuls genutzt, neue Formen der Mobilität aber auch öffentlichen Raum zurückzuerobern. Auch die Corona-Pandemie hat Gelegenheit gegeben alte Denkmuster aufzubrechen und vielerorts Fahrradwege und Fußgängerzonen geschaffen.

© Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes

Durch co-kreative Betriebssysteme soll ein Gleichgewicht für das Ökosystem der Akteure hergestellt werden: Eine politische Trägerstruktur bildet den starken Rahmen, eine Art Agentur, die mit Strategie und Bürgerinitiative kuratiert statt managt. In diesem Sinne haben das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes und die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung das dreitägige Ideation Camp „Umpflastern“ vom 16. – 18.09.2021 ausgerichtet. Unser Urban Ideation Lab hat hier am Themenfeld Öffentlicher Raum mitgearbeitet. Neben interessanten Vorträgen wurden hier für drei verschiedene Städte, Halle, Oberhausen und Seelze, in Zusammenarbeit mit Vertreterinnen und Vertretern der jeweiligen Stadtverwaltung, Konzepte und Prototypen entwickelt um die jeweilige Situation im öffentlichen Raum zu verbessern. 

Oberhausen leidet unter einer von Leerstand gezeichneten Innenstadt, der Stadt Seelze fehlt ein attraktives Zentrum, das neben einer vielbefahrenen Haupt-Ladenstraße keine attraktiven Anziehungspunkte bietet und die Stadt Halle leidet unter der einseitigen politisch motivierten Aneignung ihres zentralen Marktplatzes. Unser B-Part Urban Ideation Lab hat zusammen mit anderen Kreativen und Stellvertreterinnen und Stellvertretern der Stadtverwaltung Halle (Saale) an Lösungen gearbeitet, um den zentralen Marktplatz der Stadt wieder zu einem begehrten Anlaufpunkt für alle Mitmenschen zu machen. Hierfür wurde das Konzept für ein flexibles urbanes Mobiliar, „Flexies“, entworfen, das dauerhaft auf dem Platz stehen bleiben, vielseitig eingesetzt und in Eigeninitiative von den Mitmenschen kombiniert und arrangiert werden soll. Trotz strenger Denkmalschutzauflagen kann der Freiraum auf der Marktfläche so flexibel strukturiert werden und mehrere Aneignungen des Marktplatzes zeitgleich stattfinden. Zudem soll so die Trennung politischer Teilhabe und das Interesse der Bewohnenden an sozialer Nutzung der Fläche gewährleistet und eine partizipative Teilhabe angeboten werden.

© Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes

Wir haben uns sehr an unsere Agora aus unserer Summer School 2019 auf dem B-Part Gelände erinnert gefühlt. Hier haben wir ein ähnlich flexibles urbanes Mobiliar entworfen, das zugleich Ausstellungsfläche, Sitz- und Essensgelegenheit, Bühne und Tribühne für eine vielseitige Nutzung auf dem B-Part Gelände darstellte und uns die Infrastruktur für ein kleines Festival bot.

„Agora“- Flexibles urbanes Mobiliar, UIL 2019

Es gab von Seiten der Stadtverwaltung Halles die Zusage sich weitergehend mit der Entwicklung und dem Design dieses Mobiliars auseinanderzusetzen. Wir sind gespannt und werden Euch weiter berichten. 

Für einen nächsten Ideation Workshop ist das Urban Ideation Lab am 24. November 2021 bei der Berlin Innovation Agency in Kooperation mit ihrem zugehörigen Smart City Hub eingeladen. Wir sind freuen uns über die Kooperation und die gemeinsame Ideenkreation. Stay tuned…

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Datum:
09.12.2022
Zeit:
15:53

Mit Urte Zahn kommt Bewegung ins B-Part Am Gleisdreieck, genauer: die Stadtbewegung e.V. mit kostenlosen Tai Chi- und Qi Gong-Kursen. Mit der ehemaligen Konzern-Managerin und Startup-Seriengründerin ziehen außerdem die Friends for Future ein ins Urban Ideation Lab, dem Labor für das Stadtquartier der Zukunft und Herzstück vom B-Part Am Gleisdreieck. Wir haben mit uns mit der umtriebigen Urte Zahn unterhalten.

Mit 15 fuhr Urte Trecker beim Hof der Eltern in der Nähe Greifswalds, lernte Landwirtschaft, machte Abitur, studierte Wirtschaft und legte danach eine steile Karriere hin; erst als Managerin bei großen Konzernen wie IBM oder Bosch, später als Seriengründerin von Startups. So weit, so aufregend wie aufreibend – bis zu diesem einen Moment: Urte weilte gerade beruflich in Shanghai, als die Nachricht von zuhause eintrudelte, dass ihre Eltern erkrankt waren. „Für kein Geld der Welt wollte ich noch einmal in eine solche Situation kommen, mich nicht um meine Eltern kümmern zu können, weil es der Job einfach nicht zuließ“, sagt sie.

Also, mehr Balance musste her. Sprich: Work-Life-Balance. Das geht ganz wunderbar mit Bewegung. Und die bringt Urte auch mit ins B-Part Am Gleisdreieck – jeden Montag um 18 Uhr und Dienstag um 8:30 Uhr ist auf der Schöneberger Wiese vor dem B-Part Am Gleisdreieck eine Stunde Tai Chi und Qi Gong angesagt. Jede und jeder kann hier kostenlos und komplett niedrigschwellig mitmachen. Es braucht keine Vorkenntnisse, jedes Fitness-Level ist willkommen und nicht einmal umziehen muss man sich. Finanziert wird das Programm vom Land Berlin und mit der Initiative Stadtbewegung e.V.

Urte widmet sich den fernöstlichen Techniken der Energie und Entspannung seit über zwanzig Jahren als Gegengewicht zu den damals stressigen Zeiten im Job. Und auch hier wird gleich mal gegründet, nämlich das Startup QiLabs. Wer’s nicht zur Schöneberger Wiese schafft, kann sich mit der App QiTime ein eigenes Bewegungsprogramm aufs Smartphone laden. Die Kurse lassen sich jederzeit in jeden Alltag integrieren und helfen, das seelische wie körperliche Gleichgewicht zu finden oder zu halten – insbesondere auch vorbeugend gegen Burnout-Symptome oder Depressionen.

Während die innere Energie heute im Vordergrund steht, hat sich Urte früher im Job viel mit der äußeren Energie beschäftigt. „Smarte Lösungen für Gebäude zum Beispiel, überhaupt das Thema Ressourcen. Irgendwann zum Beispiel musste mein Auto in die Werkstatt und mir fiel plötzlich auf, dass ich das gar nicht brauche. Und überhaupt, das kommt mir heute absurd vor, dass man so viel Energie und Material aufwendet, damit sich ein Mensch fortbewegen kann. Das ist genau das Gegenteil vom Prinzip des Tai Chi, wo man versucht, möglichst wenig Energie einzusetzen.“

Ihr Verzicht aufs Auto führte damals auch zu eigenartigen Szenen: „Und, haben sie einen Parkplatz gefunden?“ – „Ja, direkt vor der Haustür.“ – „Was? Da ist doch nie ein Parkplatz frei.“ – „Für’s Fahrrad schon.“ Allgemeines Staunen, dass eine Business-Frau wie Urte mit dem Radel vorfährt. Das führte auch zu Verzerrungen in der Status-Matrix. Eine Managerin ohne Auto?! Damit rangiert man in der Hierarchie ja noch unter dem Hausmeister.

Aber zurück in die Gegenwart: Mit Urte ist nicht nur die Stadtbewegung ins Urban Ideation Lab eingezogen, sondern auch der gemeinnützige Verein Friends for Future, den Urte zusammen mit – natürlich – Freundinnen und Freunden gegründet hat, um in Zeiten der Klimakrise etwas zu unternehmen. Friends for Future entwickeln zum Beispiel Spiele, insbesondere für Schulen, wie den „Klimakoffer“ oder Aktionen. Das Ziel liegt darin, nicht zu missionieren, sondern auf unterhaltsame Weise Lösungen aufzuzeigen und zum selbstständigen Handeln zu motivieren. Und die Friends sind auch sonst in der „for Future“-Szene umtriebig, zum Beispiel mit Workshops rund um die Organisation von Bewegungen und autonomen Teams. Zusammen mit Together for Future haben die Friends im Februar den Digitialkongress der Fridays For Future moderiert. „Entscheidend ist, dass wir als gemeinnütziger Verein nur das machen, was wir für sinnvoll halten und ohne dass wir damit Geld verdienen müssen“, sagt Urte.

Zum Abschluss haben wir Urte gefragt, was sich in ihrem Leben abgesehen von der Balance verändert hat: „Ich war früher im Job sehr auf das Morgen fokussiert. Wie entwickelt sich dieses Projekt? Wie sehen bei jenem Projekt die Zahlen aus und so weiter. Heute, gerade in diesen krisenbehafteten Zeiten, bin ich mehr in der Gegenwart zuhause, also im guten, alten Hier und Jetzt.“ Wer das auch möchte, einfach Montagabend oder Dienstagmorgen zur Schöneberger Wiese kommen und von Urte Tai Chi und Qi Gong lernen.

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Datum:
09.12.2022
Zeit:
15:53

Das vergangene Jahr hat gezeigt wie vielfältig das Lab und wie relevant seine Themen sind. Seit September 2021 hat sich das UIL mit seinen Fellows zuerst der Frage der Gestaltung integrativer, öffentlicher Räume gewidmet. Mit dem Konzept der Supportive Environments hat das Lab auf diese Fragen zahlreiche Antworten in Form von Interventionen im öffentlichen urbanen Raum entwickelt. Interventionen, die unsere allgegenwärtigen Emotionen ansprechen und mit diesen interagieren. Im Frühjahr 2022 wurden die Ergebnisse in der Ausstellung „Make Space. Do Space. Feel Space“ im B-Part Exhibition präsentiert. Aktuell führt das Futurium Berlin zusammen mit dem Internationalen Forum für Neurourbanistik e.V. und gefördert durch die Berlin University Alliance (FU, TU, HU und Charité Universitätsmedizin) eine Studie zu genau eben diesem Thema durch: Die emotionale Stadt. Es soll analysiert werden, welche Emotionen konkrete Orte in Berlin in uns hervorrufen. Hier könnt Ihr Euch sogar noch in die Studie mit einschließen lassen.

Seit März 2022 beleuchtet das Lab die Möglichkeiten einer zukunftsweisenden Quartiersentwicklung mit der Integration von urbanen Produktionsstädten. Wie ernährt sich die Stadt der Zukunft und wie arbeiten wir zukünftig? Und wie sollten wir, um diesen Herausforderungen begegnen zu können, heute schon vorausplanen? Am 15. September organisiert das Lab im Rahmen des Circular Future Festival zum Thema Urbane Produktion Inputtalks, Workshops, gibt Einblicke in die Arbeit urban Produzierender und präsentiert eine Vision für das Gleisdreieck. Hier geht es zur Anmeldung für die Veranstaltung.

Ab Oktober 2022 suchen wir neue Lab Fellows für unser Urban Ideation Lab, das Herzstück des B-Parts. Wir suchen interdisziplinär nach Pionieren und Visionären, Experten und Expertinnen aus allen Berufs- und Lebensbereichen, die Lust haben sich hier im B-Part mit neuen Ansätzen für eine Zukunft in lebenswerten Städten – nicht nur für eine globale Kreativelite sondern für alle – einzubringen. Insbesondere die Transformation des öffentlichen Raumes soll in den nächsten Monaten ein zentrales Thema unserer Arbeit sein. Unsere Ideen erarbeiten wir in Design Sprints oder ähnlichen Formaten der kreativen Ideenentwicklung. Im Gegenzug können unsere Fellows mindestens sechs Monate lang kostenlos die Räumlichkeiten und das Netzwerk des B-Part Am Gleisdreieck nutzen.

Das Urban Ideation Lab hat in seiner kurzen Vergangenheit bereits zahlreiche Panels, Workshops, ein Festival und eine Ausstellung mit seinen Fellows und ihren vielfältigen Ideen veranstaltet. Auf dem B-Part Blog könnt Ihr Euch einen kleinen Eindruck davon verschaffen, welche Potenziale das Netzwerk und die Zusammenarbeit hier ausschöpfen können. Themen wie zirkuläres und nachhaltiges Bauen, integrative Interventionen im öffentlichen Raum, Datenschutz, Programmieren für Kinder oder die Entwicklung von mobilen Apps mit Schülern waren einige der Highlights.

Neben Eurem Lebenslauf sollte Eure Bewerbung ein Motivationsschreiben bzw. eine Projektbeschreibung enthalten (beides nicht länger als eine DIN A4-Seite). Macht uns deutlich warum Euer Projekt zum Profil des Urban Ideation Labs passt und warum Ihr für und am Stadtquartier der Zukunft forschen wollt.

Interessiert? Bewerbt Euch jetzt bis zum 3. Oktober 2022 als Fellow im Urban Ideation Lab!

Wir freuen uns auf Eure Bewerbung an lab@bpart.berlin.

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Datum:
09.12.2022
Zeit:
15:53
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In den Viadukten am Park am Gleisdreieck in Berlin könnte eine neue Form des Wirtschaftens entstehen. Das jedenfalls ist das Ziel des Urban Ideation Labs (UIL). Das UIL ist eine zehnköpfige, interdisziplinär zusammengesetzte Ideenschmiede, die von der COPRO initiiert, neue innovative Ansätze für die Entwicklung des zukünftigen Stadtquartiers „Urbane Mitte Am Gleisdreieck” erarbeitet.

Im Rahmen des Circular Future Festivals – ein bundesweites Festival, das sich mit der zirkulären Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft auseinandersetzt – organisierte das UIL einen Tag zum Thema Urbane Produktion im B-Part Am Gleisdreieck. Die Veranstaltung bot als einleitenden Rahmen informative Vorträge dazu, inwiefern urbane Produktion unsere Städte in Zukunft nachhaltig verändern wird, und gab Einblicke in bereits bestehende Orte der urbanen Produktion, wie zum Beispiel das Motion Lab in Berlin Kreuzberg. 

©Leander von Thien

In einem ausführlichen Vortrag legte Dr. Jens Libbe vom Deutschen Institut für Urbanistik dar, dass moderne Innenstädte auch als Produktionsstandorte wieder interessant werden. Nach Jahrzehnten des Rückzugs von Produktion und Gewerbe aus den Städten könne man durch eine ausgewogene Funktionsmischung und neuen Formen ressourcenschonender Produktion die urbane Vielfalt steigern. Eine zirkuläre Wirtschaft böte neue Alternativen zum Aufbau widerstandsfähiger, klimagerechter und lokaler Wirtschaftssysteme in den Städten. Durch lokal produzierte Güter können Transportwege für die Einfuhr von Rohstoffen und weiter nutzbaren Nebenprodukten sowie die Abhängigkeiten von globalen Lieferketten minimiert werden.

Anschließend stellte das UIL einen Ort für mögliche urbane Produktion vor: die Viadukte unter dem Gleisdreieck. In einem weiteren Schritt ist dann das UIL dazu übergangen, die Leitlinien zirkulärer Wirtschaft für die Entwicklung des innovativen Stadtquartiers “Urbane Mitte Am Gleisdreieck” anzuwenden. Dabei hat es sich der Think Tank zur Aufgabe gemacht, die vielen Viadukte am Gleisdreieck für das Konzept einer zirkulären Wirtschaft nutzbar zu machen. Die Viadukte dienten in den vergangenen Jahrzehnten als Werkstätten der Berliner Verkehrsbetriebe BVG. Von Haltestellen bis Brückenträgern wurde hier alles gebaut und gewartet. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts beherbergten die Flächen noch Kutschen und Ställe und waren dann mit der Zerstörung der umliegenden Gleisanlagen durch den Krieg lange ungenutzt. Umso interessanter ist es, dass diese Flächen der Öffentlichkeit durch die Entwicklung  der „Urbanen Mitte“ wieder zugänglich gemacht werden.  Das UIL präsentierte hier eine Vision für ein zirkuläres Stadtquartier und belegte die Flächen exemplarisch mit Unternehmen, die miteinander kooperieren könnten. Ein Beispiel: Aus Nebenprodukten wie Gerstenmalz könnte eine Brauereifläche mit einer Bäckerei, die dann ihr Brot damit bäckt, zusammenarbeiten. Die Abwärme der Brauerei könnte dazu genutzt werden, den Stromverbrauch eines Urban Farming Unternehmens, das beispielsweise Salate anpflanzt, zu decken. Dieser Salat könnte dann, genau wie das Brot, auch von den Restaurants vor Ort weiterverarbeitet werden. Die Beispiele sind zahlreich und divers. Das UIL war in den vorangegangenen Monaten bereits der Frage nachgegangen, wie eine zirkuläre Wirtschaft in einer Großstadt ausgestaltet werden kann und was dann konkret eine solche Form des Wirtschaftens für die Entwicklung des zukünftigen Stadtquartiers “Urbane Mitte Am Gleisdreieck” bedeuten könnte. Die Ergebnisse wurden an diesem Tag im B-Part Am Gleisdreieck der Öffentlichkeit präsentiert. 

Die Leiterin des UIL, Amira Sahr, sieht in den Viadukten „ein erhebliches Potential für die Entwicklung einer neuen Form des Wirtschaftens“. Für diese Form müssten, so der UIL-Befund, drei Voraussetzungen erfüllt sein: Zum einen muss eine nachhaltige Infrastruktur hinsichtlich Energie, Wärme, Abwasser und Abfall sichergestellt sein. Des Weiteren müssten dann in einem zweiten Schritt der Aufbau lokaler Materialkreisläufe organisiert und ein Gleichgewicht zwischen größeren produzierenden Orten wie beispielsweise Bäckereien und Brauereien sowie sozialen- und Konsumorten hergestellt werden. Der zirkuläre Gedanke ihres Konzeptes begrenzt sich aber keineswegs nur auf die Material- und Energiekreisläufe. Verkaufs- und Produktionsflächen sollen auch einen Gemeinschaftsgedanken erfüllen und Angebote für die Gemeinde, zum Beispiel in Form von Wissensaustausch (Workshops, Lehrkurse, Reparaturwerkstatt, etc.), anbieten. Der Gedanke einen Ort zu kreieren, der für die BewohnerInnen der Stadt einen gesellschaftichen Mehrwert darbietet, soll hier den gleichen Stellenwert haben, wie die gewinnbringende Vermietung der Flächen. Die Leiterin des Labs, Amira Sahr, sieht die Entwicklung der „Urbanen Mitte Am Gleisdreieck“ als eine große Chance: „Das neue Stadtquartier eröffnet die Möglichkeit, bereits in die Planung neue Formen des Wirtschaftens miteinzubeziehen, um eine ressourcenschonende Zukunft unserer Städte zu etablieren.“

Ralf Jaksch – Berlinboxx

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Datum:
09.12.2022
Zeit:
15:53