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METALINIEN

26 März | 14:00 - 18:00

Kostenlos

Mit Arbeiten der Künstlerinnen:

Anne Gathmann, Vanessa Enríquez, Cécile Dupaquier, Antje Blumenstein

Die Linie als eindimensionales geometrisches Gebilde ist ein „Meta“, ist eine Zwischenstufe mathematischer Dimensionen auf dem Weg zu Raum und Zeit. Als Edwin Abbott Abbott 1884 seine Novelle „Flatland“ veröffentlichte, wies er mit Witz darauf hin: ein Quadrat aus der zweidimensionalen Welt besucht das eindimensionale Linienland, um dessen König von der Existenz einer zweiten Raumdimension zu überzeugen. Was das Quadrat nicht weiß: es gibt eine dritte Dimension, sogar mehr.

Die Ausstellung „Metalinien“ im B-Part Exhibition blickt aus einer dreidimensionalen Perspektive auf Linien und deren Ausformungen ins Zwei- und Dreidimensionale: die gezeigten Arbeiten der vier in Berlin lebenden Künstlerinnen – Antje Blumenstein, Cécile Dupaquier, Vanessa Enríquez und Anne Gathmann – thematisieren auf unterschiedliche Weise die gegenseitigen Bedingungen von Linie, Fläche und Raum. Mal abstrakt, mal konkret, gestalten sie mit der Linie als Ausgangsmotiv Flächen und Raum visuell und haptisch. Zwischen Zeichnung und Skulptur, zwischen Oberfläche und Objekt dienen Linien hier als Mittel für bildlich-räumliche Konstrukte, die unsere mittlerweile auch digital geprägten Vorstellungen der Linie als Grundelement von Rastern und als Darstellungselement von Vektoren im realen Raum der Ausstellung neu justieren. Das Wechselspiel zwischen Fläche und Raum, zwischen Zeichnung und Installation, verweist im B-Part Exhibition als Teil der Urbanen Mitte am Gleisdreieck auch auf das Wechselspiel von Entwurf und architektonischer Ausführung.

Antje Blumensteins eigens für die Ausstellung produzierte Metallarbeit „folded lines 13“, bestehend aus zwei gebogenen Aluminiumstäben, wirft die Frage auf, ob es sich hierbei um eine Skulptur oder eine Zeichnung im Raum handelt? Diese Frage stellt sich umso mehr, als die Arbeit, die auch Bodenarbeit sein könnte, Wandarbeit ist und die dabei geworfenen Schatten die Materialität der Arbeit ins Immaterielle erweitern – der Schatten also auch im Sinn einer Zeichnung gesehen werden kann. Die aus einer Serie stammende Arbeit weist sich dabei als ein Scharnier aus, an dem die sichtbaren Linien zwischen 2D und 3D changieren. Blumensteins zudem gezeigte Papierarbeit ist Teil der Serie „lines“, für die die Künstlerin die zu sehenden Falzungen so akkurat wie vorsichtig mit einem unter das Papier justierten Lineal hergestellt hat. Der Umstand, dass die so entstandenen Winkel punktgenau austariert sind, ergibt sich aus einer bewusst erzeugten Kombination von Planung und (Aus-)Übung. 

Ebenfalls mit Winkeln erzielt Anne Gathmanns Bodenarbeit „In Klammern: Perforation“ eine überraschende Wirkung: auf den ersten Blick nur einen weiträumigen 90-Grad-Winkel zeigend, stellt sich die aus MDF-Elementen bestehende Arbeit bei genauerem Hinsehen als eine durch umso mehr Linien bzw. Kanten hergestellte Versammlung vieler 90-Grad-Winkel dar. Dadurch, dass die verwendeten Flächen nur lose gefügt sind, entsteht zudem die Vorstellung eines Ortes prinzipiell veränderlicher Größe, ähnlich eines Modells, dessen Erstellung sich zeichnungshaft noch im Prozess befindet. Trennen die Linien der Arbeit oder verbinden sie? Auch Gathmanns aus Holz und Glas bestehende Wandarbeit „Wenn meine linke Hand meine rechte Hand“ plant bewusst mit einem Zustand des Dazwischen: bei der Arbeit, deren Titel auf ein Zitat des Phänomenologen Maurice Merleau-Ponty („Das Sichtbare und das Unsichtbare“) zurückgeht, enthält ein Rahmen drei Glasscheiben: zwei halbierte Formate und ein durchgehendes Glas, das zwischen den beiden platziert ist. Durch die Präsenz der anderen beiden wird letzteres in der Wahrnehmung ausgeblendet.

Von „Coincidentia oppositorum“, dem „Zusammenfall der Gegensätze“, jenem zentralen Begriff im Denken des Philosophen Nikolaus von Kues, spricht Vanessa Enríquez in Bezug auf ihre Arbeit „Fluctuations IX“. Diese von der Raumdecke hängende Arbeit basiert auf der Grundfläche eines gedachte Vierecks, das auf einer zweidimensionalen Ebene tatsächlich aber nur von zwei parallel fixierten Linien gespeist wird. Die jene Linien verbindenden Linien, ebenfalls parallel zueinander, hängen als Bögen im Raum und dehnen das Viereck so zum dreidimensional Gebilde aus. Dass das von der Künstlerin als „räumliche Zeichnung“ verstandene, aus zwar parallel gehängten, jedoch verschieden langen VHS-Bändern bestehende Gebilde ein Volumen ausbildet, das dem Objekt eine so grafische wie geradezu körperliche Komponente gibt, macht den Titel der Arbeit umso sinnfälliger. Die zwei gezeigten Zeichnungen von Enríquez aus der Serie „Until I disappear“ benutzen das gleiche Material. Entstanden sind sie durch wiederholte, meditative Gesten des Aufklebens und anschließenden Entfernens der Bänder auf bzw. von zuvor adhäsiv gemachtem Papier. Zu sehen sind zufällige Linien und Muster, als Ergebnis von „Mikrogesten“.

Ganz bewusst durch die Geste des Zeichnens ordnen sich die Linien in Cécile Dupaquiers Papierarbeit „Strich (obskur, 70×50) n°3“. Aber gewollte Unregelmäßigkeiten gibt es hier allemal: es sind nicht nur die unterschiedlichen Längen der Striche, die der Bleistiftzeichnung eine scheinbar räumliche Dimension geben, sondern es ist auch Dupaquiers Technik – die Zeichnung ist auf schwarzem Papier gefertigt, die helle Anmutung der Bleistiftlinien entsteht, entgegen gängigen Sehgewohnheiten, durch deren Reflexion im Licht. Mit einem Wechsel von Ordnung zu Mehrdeutigkeit spielt auch die aus geripptem und gebogenem Torstahl bestehende Arbeit „docile“. Bekannt aus dem Betonbau, sind diese Metallstäbe in der gebauten Umwelt essenziell, aber unsichtbar, was sie als künstlerisches Material reizvoll macht. Halb Wandzeichnung, halb Wandskulptur, scheint die dreiteilige Arbeit die Veränderung eines zweidimensionalen Objekts (eines Vierecks) zu einem eindimensionalen Objekt (einer Linie) darzustellen. Das Faszinierende: die Darstellung erfolgt mit Mitteln der vierten Dimension, der Folge, der Zeit.

Cécile Dupaquier – „docile“

Kurator: Rüdiger Lange (loop – raum für aktuelle kunst)

Details

Datum:
26 März
Zeit:
14:00 - 18:00
Eintritt:
Kostenlos
Veranstaltungskategorie:

Veranstaltungsort

B-Part Exhibition
Luckenwalder Str. 6b
Berlin, 10963 Deutschland

Veranstalter

loop raum
E-Mail:
loop@loop-raum.de
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